Möglichkeiten der Therapie

Die Behandlung einer Allergie sollte dem Schweregrad der Symptome entsprechen. Es wäre einerseits übertrieben gelegentliche Episoden von Augenjucken und leichtem Schnupfen mit einer Dauertherapie oder gar einer Impfkur zu behandeln, andererseits sollte auch nicht der Fehler gemacht werden zu wenig zu behandeln. Das geschieht aber leider oft – meistens wegen einer übertriebenen Abneigung gegen die Einnahme von Medikamenten. Unzureichende Behandlung kann zu einer Verschlechterung der Allergielage führen! Das Ziel jeder Therapie sollte sein, zu verhindern, daß sich die allergische Entzündung ausbreiten kann. Wie schon mehrfach erwähnt kann ein unzureichend behandelter allergischer Schnupfen in die unteren Atemwege übergehen und dort Bronchitis und sogar Asthma auslösen (Etagenwechsel). Die einfachste Form der Behandlung besteht in der Meidung des Allergieauslösers. Das ist manchmal möglich (Diäten bei Nahrungsmittelallergien, Meidung von gewissen Medikamenten usw.). In manchen Fällen ist das begrenzt möglich (z.B. durch Hausstaubmilbensanierung). Meistens ist aber eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll. Es steht uns heute eine breite Palette von „schulmedizinischen“ und alternativen Therapiemethoden zur Verfügung:

Lokale Therapie – örtliche Behandlung

Lokale Therapie der Schleimhäute und Atemwege

 

 Allergischer Schnupfen  / allergische Augenentzündung

Bei schwachen Allergien, insbesondere bei milden Formen des Heuschnupfens reicht es antiallergische Medikamente an den Problemzonen anzuwenden. Oft werden diese Medikamente aber mit Tabletten (siehe unten) kombiniert. Es gibt Nasensprays und Augentropfen in verschiedener Stärke und Zusammensetzung:

  • Cromone: diese Substanzen sind zwar nur schwach wirksam, sie besitzen aber praktisch keine Nebenwirkungen. Deshalb sind sie auch für Schwangere, stillende Mütter und für Kleinkinder empfehlenswert. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Wirkung der Cromone erst nach einigen Tagen einsetzt. Sie sollten regelmäßig angewendet werden, sind also nicht für den Gebrauch „bei Bedarf“ geeignet.
  • Antihistamin Medikamente (Antihistaminika): Sie entschärfen das Histamin, einen wichtigen Entzündungsauslöser der Allergie. Diese Medikamente wirken gut an Nase und Auge und können bei Bedarf angewendet werden. Antihistamintropfen oder –sprays sind die ideale Behandlung wenn nur leichte Beschwerden vorwiegend an einer Stelle auftreten, z.B. wenn nur eine Bindehautentzündung vorliegt. Die Therapie ist ausgezeichnet verträglich.
  • lokal wirksame Kortison Präparate: kortisonhältige Medikamente sind die stärksten Mittel gegen Allergie. In Tropfen- oder Sprayform wirken sie ausgezeichnet bei blockierter Nase und stärkeren Beschwerden durch Schnupfen. Die Therapie sollte regelmäßig durchgeführt werden, es kann kein sofortiger Wirkungseintritt erwartet werden. Die Substanzen die an den Schleimhäuten angewendet werden, werden praktisch nicht in den Organismus aufgenommen, die problematischen Nebenwirkungen einer systemischen (Tabletten, Injektion) Kortisontherapie treten daher nicht auf. Als Nebenwirkung wird manchmal eine unangenehme Trockenheit der Schleimhäute berichtet.
  • Abschwellende Nasen- oder Augentropfen: hier ist Vorsicht geboten. Diese Medikamente wirken zwar schnell und sind hocheffektiv, es kommt aber zu einem Gewöhnungseffekt. Außerdem werden bei längerer Anwendung die Schleimhäute geschädigt.
  • Pollenschutzcreme: diverse Hersteller behaupten, daß ihre Salben (es handelt sich meist um einfache Vaseline) auf der Nasenschleimhaut einen Pollen undurchlässigen Film bilden, der vor Allergie Symptomen schützt. Die Behandlung stelte sich in Studien jedoch als wirkungslos heraus.
       

Therapie des allergischen Asthma

Es gibt verschiedene Varianten von Bronchialasthma und nicht jede Form von Asthma ist durch Allergie ausgelöst. Das Ziel jeder Asthmatherapie ist einerseits die Bekämpfung der Entzündung der Bronchialschleimhaut, andererseits eine Öffnung jener verkrampften Muskeln, die das bronchiale Röhrensystem umgeben. Als entzündungshemmende Inhalationsmittel kommen die sog. Cromone (schwaches Asthma, Bronchitis bei Kleinkindern) oder kortisonhältige Trockenpulver oder Sprays in  Frage. Die Kortisonmedikamente die heute als Asthmamittel verwendet werden zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Wirkung nur örtlich entfalten. Sie werden nicht in den Körper aufgenommen und lösen daher auch keine der gefürchteten Nebenwirkungen aus. Zur Entspannung der Bronchialmuskulatur und Weitstellung der Bronchien werden Medikamente verwendet welche die Muskelspannung an den Bronchien (durch Beeinflussung der dortigen Nerven) verringern. Entsprechend der vegetativen Nervenversorgung der Bronchialmuskulatur kommen hier einerseits Sympathikus-stimulierende Substanzen oder Vagus-blockierend Mittel zum Einsatz. Nebenwirkungen dieser Behandlung sind eine Beschleunigung des Herzschlags, Zittern der Hände und ev. eine innere Unruhe. Eine wesentliche Vereinfachung der inhalativen Therapie stellen die neuen Kombinationspräparate dar, bei denen beide Behandlungskomponenten in einem Inhalationsgerät gemischt sind. Zusätzlich zu der inhalativen Behandlung kann die allergische Komponente des Asthma mit Antiallergika behandelt werden. Ein spezieller Botenstoff bei Asthma (Leukotrien) kann ebenfalls medikamentös blockiert werden (durch Leukotrieninhibitoren), diese Therapie hilft oft die Anzahl der notwendigen Inhalationen zu reduzieren. Für die Behandlung des schweren Asthma stehen zusätzlich diverse Medikamente zur Verfügung, die hier nicht im Detail aufgeführt werden können. Ein Asthmatiker sollte geschult werden über den aktuellen Zustand seiner Lungenfunktion Buch zu führen, z.B. durch die Messung und Aufzeichnung der Ausatemkraft mit einem einfachen Gerät: dem Peak-Flow-Meter. Die Therapie muss dann der aktuellen Verfassung angepasst werden.  Die Behandlung sollte bei regelmäßigen Kontrollen vom spezialisierten Arzt oder Facharzt für Lungenkrankheiten überprüft werden.


Lokale Therapie der Haut

Quaddeln, Nesselausschläge

Gegen örtliche allergische Hauterscheinungen die einer Quaddelreaktion (juckende Hautreaktion wie bei einem Insektenstich) entsprechen, und übrigens auch gegen Insektenstiche wirken Cremes oder Gele die Antihistamin Medikamente enthalten. Wenn die Ursache für die Urtikaria im Inneren des Organismus liegt , ist die Behandlung der Hauterscheinungen nur von sekundärer bedeutung, es muss die Ursache der Quaddeln bekämpft werden.

Neurodermitis, atopisches Ekzem

die Behandlung von Hautentzündungen die einem allergischen Ekzem (Neurodermitis) entsprechen sind sehr kompliziert. Sie gehört in die Hand des Facharztes für Hautkrankheiten oder Kinderheilkunde und kann hier nicht im Detail besprochen werden. Folgende Aspekte müssen dabei berücksichtigt werden:

Behandlung der Entzündung: je nach Entzündungszustand der Haut wird entweder eine Heilcreme verwendet, diese enthält starke entzündungshemmende Mittel. Das beste Mittel ist nach wie vor Kortison, es sollte bei allen akuten Formen der Neurodermitis eingesetzt werden. Kortisonhältige Cremes müssen gezielt und nicht zu lange eingesetzt werden, sind aber in bestimmten Situationen unumgänglich. Viele Eltern fürchten den Einsatz von Kortison. Die Ängste vor den Nebenwirkungen (Verdünnung von Haut und Bindgewebe, Entwicklungsstörungen) sind bei richtigem Umgang mit der Substanz jedoch unbegründet. Eine neue Generation von Medikamenten (Tacrolimus/Pimecrolimus), die eine entzündungshemmende Wirkung wie Kortison haben ohne jedoch ähnliche Nebeneffekte zu bewirken könnte die Behandlung der Neurodermitis erleichtern. Die ersten solchen Präparate sind bereits auf dem Markt. Bei schwächeren Ekzemformen werden oft Zubereitungen von Bufexamac, Ichthyol oder Teer verwendet. 

Zusätzlich sollte die Therapie der Neurodermitis eine Pflege der Haut beeinhalten. Hier werden häufig rückfettende Seifen, Ölbäder und Pflegesalben mit Harnstoff verordnet. Zur Behandlung und Vorbeugung von Infektionen können desinfizierende Badezusätze (Kaliumpermanganat, Betaisodona) verwendet werden, manchmal ist es notwendig Antibiotika zu geben. Nicht zuletzt ist der Hautzustand von Neurodermitispatienten stark von ihrer psychischen Verfassung abhängig. Psychologische Beratung und Psychotherapie sind sinnvolle Ergänzungen zu der Behandlung der körperlichen Symptome.

Die Behandlung des Juckreizes ist eine wichtige Säule der Therapie. Es gilt den Teufelskreis Juckreiz>Kratzen>Entzündung zu durchbrechen. Hausmittel wären kalte Duschen oder kühle Umschläge. Antiallergika  wirken auch gut gegen Juckreiz und können unbedenklich über längere Zeit gegeben werden. Bei Jugendlichen und Erwachsenen gelingt es oft mit autogenem Training den Juckreiz zu beherrschen.

Allergenvermeidung: Allergien können von außen (Staubmilbenallergie) und von innen (Nahrungsmittelallergien) den Hautzustand beeinflussen. Voraussetzung für eine Allergenvermeidung ist eine genaue Allergietestung. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten ist es oft sinnvoll gezielte Provokationstestungen durchzuführen um die Bedeutung einzelnen Nahrungsmittelkomponenten als Ekzemauslöser zu erkennen.

 

Systemische Therapie – Tabletten, Injektionen, Impfkur

Die Allergie ist eine Erkrankung des gesamten Organismus, und nicht nur eine Krankheit eines Organs, z.B. der Nase. Das zeigt sich schließlich auch daran, dass man einen Heuschnupfen an der Haut des Unterarms nachweisen kann. Die folgenden Medikamente werden direkt in das System (den Körper) gebracht, also geschluckt oder gespritzt. Sie werden dann über den Blutstrom verteilt und erreichen alle Organe, die Schleimhäute und die Haut. Dadurch können sie ihre Wirkung im ganzen Körper entfalten.


Antiallergika – Tabletten gegen Allergie

Die Medikamente die heute auf dem Markt sind wirken ausgezeichnet bei milden bis mittelschweren Allergien und bei allergischen Hauterscheinungen wie Nesselausschlägen oder Juckreiz. Je nach Stärke der Beschwerden werden meistens örtliche Medikamente zusätzlich verordnet (siehe oben). Es gibt mehrere Produkte von verschiedenen Herstellern die empfehlenswert sind. Die neueste Generation von Allergiepillen, die sogenannten Antiallergika sind ausgezeichnet verträglich. Die Tabletten sollten einmal täglich eingenommen werden, sie sind für eine 24-Stunden Wirkung konstruiert. Bei den älteren Allergiemedikamenten tritt als typische Nebenwirkung eine Müdigkeit auf, manche Antihistamin Medikamente werden sind sogar als Schlafmittel im Handel. Angewendet werden diese Arzneimittel wenn der Schlaf durch allergische Symptome gestört ist oder wenn eine beruhigende Komponente ausdrücklich erwünscht ist, z.B. bei Kleinkindern mit starkem Juckreiz.


Injektionen, Infusionen

Bei allergischen Notfällen ist es notwendig schnell große Mengen von antiallergischen Medikamenten zu verabreichen. Das kann nur durch Injektion oder Infusion in die Blutbahn erfolgen. Das wirksamste Mittel im Notfall ist Adrenalin. Zusätzlich werden Antihistaminika, Kortison und – falls notwendig – Asthmamedikamente verabreicht. Der Blutdruck wird durch die Infusion einer flüssigen Lösung aufrechterhalten.

Kortisoninjektionen:

es besteht die Möglichkeit Allergiesymptome durch eine Kortisonspritze für mehrere Wochen zu unterdrücken. Es handelt sich dabei um ein Depotpräparat, d.h. die Lösung wird nach der Injektion in den Muskel erst langsam aufgenommen und setzt den Patienten über längere Zeit unter Kortison. Diese Therapiemöglichkeit sollte nur als Notlösung und nicht regelmäßig angewendet werden, da sonst die gefürchteten Nebenwirkungen einer längeren Kortisontherapie auftreten.


Die Impfkur, >spezifische Immuntherapie, >Hyposensibilisierung

Die Impfkur ist eine Behandlung für Patienten die an einem allergischen Schnupfen, Bindehautentzündung oder Asthma ausgelöst durch Pollen oder Hausstaubmilben leiden. Außerdem wird sie mit ausgezeichnetem Erfolg bei der Insektengiftallergie angewendet. Der große Vorteil dieser Behandlungsform liegt darin dass nicht nur die Symptome der Allergie behandelt werden. Es wird ursächlich in die immunologischen Vorgänge eingegriffen, die für die Allergieentwicklung verantwortlich sind. Das Prinzip der Impfkur besteht darin den Körper mit steigenden Mengen des relevanten Allergieauslösers zu belasten. Ein Pollenallergiker bekommt beispielsweise Pollenextrakt in großen Mengen über mehrere Jahre verabreicht. Dadurch wird sein Immunsystem tolerant gegen den Allergieauslöser. Ein anderer wichtiger Aspekt der für die Durchführung einer Impfkur spricht ist die vorbeugende Wirkung dieser Allergieform. Neue Studien zeigen, dass eine Impfkur den Etagenwechsel von den oberen in die unteren Atemwegen verhindert und der Entstehung neuer Allergien entgegenwirkt. Die Impfkur kann in zwei Formen durchgeführt werden:

Injektionsimpfkur:

der Allergieauslöser wird in steigender Dosis unter die Haut an der Hinterseite des Oberarms gespritzt. Zunächst wird die Dosis wöchentlich gesteigert bis die Erhaltungsdosis erreicht ist. Diese wird dann monatlich weiter gespritzt, und zwar für drei bis fünf Jahre. Die Nebenwirkungen der Behandlung ergeben sich zwangsläufig aus der Tatsache, dass einem Allergiker das gespritzt wird, worauf er allergisch ist. Bei richtiger Durchführung kommen aber keine gefährlichen Reaktionen vor, meist sind juckende Schwellungen an der Einstichstelle zu beobachten. Zur Sicherheit muss der Impfpatient jedenfalls eine halbe Stunde nach der Injektion in der Ordination seines Arztes bleiben. Die Impfkur ist keine ausschließliche Behandlung, es dürfen natürlich zusätzlich andere antiallergischen Medikamente bei Bedarf genommen werden. Jährliche Kontrollen mit Allergietestung an der Haut und die Beobachtung und Dokumentation der Beschwerden sollten den Erfolg der Impfkur prüfen.

Schluckimpfung, sublinguale Immuntherapie:

bei dieser Behandlung wird die Impflösung (ein Extrakt aus Allergieauslösern, z.B. Pollen) in Form einer löslichen Tablette oder in Tropfenform regelmäßig eingenommen. Der Impfstoff sollte ein bis zwei Minuten in der Mundhöhle (am besten unter der Zunge) gehalten und dann geschluckt werden. Das Präparat wird täglich zu Hause genommen. Das Immunsystem wird langsam tolerant gegen die Allergieauslöser, die Symptome bessern sich signifikant.


Alternative Behandlungsmethoden bei Allergien

Allergien sind ein beliebtes Anwendungsgebiet für alternative Behandlungsmethoden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits sind Allergien schwer zu behandeln, und viele Patienten sind mit den Möglichkeiten der „Schulmedizin“ einfach nicht zufrieden. Andererseits sind viele Patienten gegenüber der Einnahme von Medikamenten (Stichwort „Chemie“) sehr kritisch eingestellt. Nicht zuletzt spielen bei Allergien psychische Faktoren eine wesentliche Rolle. Viele alternative Methoden zielen bewusst auf diese Komponente der Krankheit. Es steht außer Zweifel dass manche Alternativmethoden eine wertvolle Ergänzung klassischer Methoden darstellen, andererseits werden unter dem Deckmantel „Naturheilverfahren“ oder „komplementäre Medizin“ oft unseriöse Verfahren angeboten, die nur die Leichtgläubigkeit und den Leidensdruck der Patienten ausnutzen. Diese zeichnen sich durch hohe Preise aus und sind nicht nur uneffektiv, sondern führen häufig dazu dass den Patienten eine sinnvolle Therapie vorenthalten wird. Nicht selten werden z.B. sinnlose Diäten verordnet die der Gesundheit des Patienten schaden. Das Vertrauen in eine unwirksame Therapie kann auch lebensgefährlich sein, beispielsweise für Insektengiftallergiker, die auf effektive Schutzmaßnahmen verzichten. Die Beurteilung der verschiedenen Methoden ist kompliziert. Vergleichende Studien sind kaum vorhanden, viele der Methoden sind in ein weltanschauliches System eingebunden, was die Bewertung zusätzlich erschwert. Über manche Verfahren liegen jedoch genug objektive Informationen vor um sie als sinnvoll, nicht sinnvoll, oder sogar unseriös einzustufen. Kritisch solte man auch immer gegenüber Namen von Verfahren (z.B. immunstärkend, biologisch, sanft, natürlich, geprüft) und Einrichtungen (Institut für ..., Zentrum für ..., Klinik für ...) sein. Die folgende Übersicht bespricht nur die gängigsten Methoden, die Beurteilung spiegelt die Meinung des Autors wider.


Sinnvolle alternative Methoden zur Ergänzung der Allergiebehandlung

Homöopathie

Bei dieser Methode kommen stark verdünnte natürliche Arzneimittel zum Einsatz. Es handelt sich oft um Verdünnungen („Potenzierungen“) von Pflanzenextrakten mit erwiesenen pharmakologischen Wirkungen. Die Grundlage für die Auswahl der Medizin ist das "Simile-Prinzip". Es besagt, daß ein wirksames Arzneimittel beim Gesunden ähnliche Symptome wie die Krankheit selbst bewirkt. Entsprechend diesem Prinzip ist die richtige ursächliche Behandlung für Heuschnupfenpatienten die Einnahme von  hochverdünnten Gräserpollenmischungen. Oft werden Allergie Symptome auch mit Galphimia glauca (Elfenkrone) behandelt. Manche Patienten sprechen gut auf die Behandlung mit homöopathischen Medikamenten an, es ist allerdings fraglich ob der Effekt der Therapie wirksamer als die Behandlung mit Scheinmedikamenten (Plazebo) ist. Eine rein homöopathische Behandlung ist nur bei sehr milden Allergieproblemen sinnvoll.

Akupunktur

Die ältesten Hinweise auf die Verwendung von Nadeln zu Heilzwecken sind Steinnadeln, die bei Ausgrabungen in China gefunden wurden. Sie beweisen, daß die Erfahrungen mit der Akupunktur fast 5000 Jahre alt sind. Es war zu jener Zeit aufgefallen, daß durch Druck an bestimmten Punkten des Körpers Schmerz erträglicher wurde und Krankheiten gelindert werden konnten. Mit der Zeit wurden Punkte definiert, von denen aus weit entfernte Körperstellen oder einzelne Organe beeinflußt werden konnten. Schließlich wurden diese Punkte verschiedenen Krankheitssymptomen zugeordnet. Man bemerkte, dass alle Punkte die dem gleichen Organ zugehörten auf einer gedachten Linie lagen, diese Linien werden als Meridiane bezeichnet. Zur Reizung der Akupunkturpunkte werden in der Regel feinen Nadeln verwendet, diese werden mehrere Zentimeter in die Haut gestochen und verbleiben ungefähr eine halbe Stunde an der Einstichstelle. In den letzten Jahren hat sich wegen der geringeren Schmerzbelastung auch die Anwendung von Softlasern für die Akupunktur verbreitet (Laserakupunktur). Im Prinzip soll die Akupunktur den Energiezustand eines Menschen ermitteln und in Balance zu bringen.

Die Wirkung der Akupunktur ist in Studien bewiesen. Die eher schwache Wirksamkeit der Therapie ist allerdings gegen den oft hohen Behandlungspreis abzuwägen.

Psychotherapie

Allergiker können von einer Psychotherapie profitieren, falls die psychischen Faktoren bei ihrer Allergie eine relevante Rolle spielen. Neurodermitis, Asthma und Allergien können Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen und die Familiendynamik beeinflussen. In solchen Fällen sollte in jedem Fall die psychische Komponente der Krankheit behandelt werden.

Atemtherapie und Physiotherapie

Richtig durchgeführt, handelt es sich um wirkungsvolle Techniken zur ergänzenden Behandlung von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen. Bestimmte Atemtechniken helfen bei Atemnot, sie müssen geübt werden.

Entspannungsmethoden

Körperliche und psychische Anspannung sind als Auslöser oder Förderer von Asthmaanföllen und Juckreiz bekannt. Auf dieser Beobachtung basiert die Idee, Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga bei der Behandlung von Neurodermitis und Atemwegsallergien einzusetzen. Eine Erweiterung der Bronchien und damit eine Verbesserung der Atemfunktion bei Asthma ist auch durch klinische Studien belegt. Bestimmte Entspannungshaltungen helfen bei Atemnot ruhig zu bleiben und die vorhandenen Kapazitäten maximal auszunützen.

Kneipp´sche Verfahren, Balneologie, Balneotherapie

Pfarrer Sebastian Kneipp lebte im 19. Jahrhundert. Er beschäftigte sich intensiv mit natürlichen Heilmethoden, mit der Wirkung von Pflanzen und der Bedeutung von Ernährung und Bewegung für die Gesundheit. Kneipps Wassertherapie besteht aus Waschungen, Güssen, Bädern, Wickel, Taulaufen, Wasser- und Schneetreten. Diese Badeverfahren können Infektionen der Atemwege verhindern und sind bei Allergien der Atemwege sinnvoll.

Phytotherapie

Viele der heute verwendeten Medikamente leiten sich aus der Pflanzenheilkunde ab. Pflanzliche Arzneimittel unterliegen strengen Qualitätskriterien und können prinzipiell als unbedenklich gelten. Zu achten ist aber natürlich auf die richtige Anwendung. Vorisicht, auf Grund botanischer Verwandtschaften können Kräuterextrakte (oder gar Pollenmischungen) bei Allergikern starke Reaktionen auslösen.

Diätmaßnahmen

Die Vorraussetzung für eine Diätempfehlung als Allergie Therapie muss eine genaue allergologische Diagnostik sein. Die Meidung von Allergieauslösern ist für Nahrungsmittelallergiker natürlich wichtig. Einschneidende Diäten (z.B. Vermeidung von Grundnahrungsmitteln wie Milch oder Ei) müssen professionell begleitet werden um Mängelerzustände zu vermeiden. Vernünftige individuelle Diätregeln sind aber abzugrenzen von unsinnigen oder sogar fahrlässigen Diätempfehlungen. Leider kommen diversen unkonventionelle Diagnosemethoden überdurchschnittlich oft zu dem Ergebnis: Nahrungsmittelallergie, und beeinträchtigen den Patienten sinnlos durch komplizierte Diätmaßnahmen.


Komplementäre Methoden, die nach derzeitigem Wissensstand nicht zu empfehlen sind

Kinesiologie

Das Wort "Kinesiolgie" stammt aus dem griechischen und bedeutet: Lehre von der Bewegung. Die Technik wurde Mitte der sechziger Jahre in den USA entwickelt. Sie befaßsst sich mit Muskeln und ihrer Verbindung zu Energieflüßen im Körper, die im Prinzip den Meridianen der Akupunktur entsprechen. Die Kinesiologie beansprucht Allergien und andere Unverträglichkeiten dadurch zu erkennen, dass die Berührung eines Problemstoffs zu einer Änderung der Muskelspannung führt. Diese kann ein Kinesiologe durch den "Muskeltest" erfassen: der Tester drückt auf einen Körperteil (meist Arm oder Bein) des Patienten und fordert diesen auf dem Druck standzuhalten. Bei Menschen die unter bestimmten Karnkheitsbedingungen nicht dazu fähig sind genug Muskelkraft entgegenzusetzen, liegen energetische Blockaden vor.

Erfahrene Kinesiologen beteiligten sich an einer Studie. Die Ergebnisse zeigten, dass diese Methode zur Diagnose (und einer entsprechenden Behandlung) einer Allergie nicht geeignet ist.

Bioresonanz

Die Bioresonanz hat das Ziel Wellen aufzuspüren, die zu Fehlfunktionen im Organismus führen. Dabei werden in ein Gerät patienteneigene und substanzeigene Schwingungs Informationen eingespeist. Mit Hilfe moderner Elektronik werden in der Maschine die krankhaften Schwingungen verändert (z.B. durch Spiegelbildschaltung) und über Elektroden als Therapiewellen in den Körper des Patienten zurückgeleitet. Benutzer dieser Technik behaupten, dass Bioresonanzgeräte auch die negativen Impulse messen können, die durch Kontakt mit Allergieauslösern entstehen. Die Behandlung der entdeckten Allergien wird normalerweise ebenfalls angeboten, sie besteht in einer Löschung der entsprechenden Schwingungen. Die Behauptungen sind physikalisch und medizinisch nicht nachvollziehbar. Alle Studien die den Wirkungsbeweis für Bioresonanz erbringen sollten scheiterten. Die Anwendung der Bioresonanz zur Diagnose und Therapie von Allergien ist daher abzulehnen. Es muss noch hinzugefügt werden, dass es sich hier um eine sehr teure Behandlung handelt.

Elektroakupunktur nach Voll

Die Elektroakupunktur spiegelt den Versuch wider, das energetische Geschehen der Akupunktur meßbar zu machen. Die Anwender behaupten, dass Akupunkturpunkte und andere durch Dr. Reinhard Voll definierte "signifikante Punkte"  in ihrem Hautareal ein anderes, messbares elektrisches Verhalten zeigen, als die umgebende Haut. Die Höhe des Leitwertes während eines Krankheitsgeschehens gibt Auskunft über die Intensität der Krankheit, bzw. des von diesem Punkt reflektierten Organs. Die Therapie durch Elektroakupunktur erfolgt durhc die Anwendung unterschiedlicher Reizströme mit Hilfe von Elektroden. Studien kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Apparatur ausschließlich Messfehler aufzeichnet. Von der entsprechenden Behandlung ist abzuraten.

Eigenblutbehandlung

Bei dieser Methode wird das zuvor bei einer Blutabnahme aus der Vene gewonnene Blut in einen Muskel - meist in das Gesäß - gespritzt. Das Eigenblut soll Informationen tragen die dem Immunsystem an einem "unerwarteten Ort" präsentiert werden. Die dadurch gesteigerte Abwehr soll dann im gesamten Organismus wirken und zur Abheilung entzündlicher Prozesse führen. Der Reiz lässt sich durch die Beifügung von homöopathischen Mitteln steigern. Bei dieser Therapie entstehen schmerzhafte Entzündungsprozesse. Einen Wirkungsnachweis gibt es nicht.

Autohomologe Immuntherapie

Patienten werden mit Blut oder Harn behandelt die in einer patentierten Technik biochemisch verändert werden. Kein Wirkungsbeweis vorhanden.

Dr. Bach´s Blütentherapie

Frische Blüten werden in Quellwasser gelegt, das Wasser wird dann verarbeitet („potenziert“) und anschließend getrunken. Anhänger schildern eine Besserung des subjektiven Befindens. Nachvollziehbare Studien fehlen.

Aromatherapie

Geht davon aus dass Gerüche das Befinden beeinflussen können, Es liegt kein Wirkungsbeweis vor.

Kräutertherapie nach der traditionellen chinesischen Medizin (TCM)

Eine prinzipielle Beurteilung der Methode ist schwierig, da die Heilpflanzen in den entsprechenden Kräutermischungen viele aktive Substanzen enthalten. Diese können pharmakologische Wirkungen entfalten, führen aber auch immer wieder zu problematischen Nebenwirkungen. Die Arzneimittel unterliegen keiner Qualitätskontrolle, Herkunft, Reinheit und Zusammensetzung sind oft unklar. So wurde in acht von elf untersuchten chinesischen "Heilpflanzensalben" (synthetisches, zugesetztes) Kortison nachgewiesen.